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Berchtesgaden

Der Watzmann mit seinen Nebengipfeln – der Watzmannfrau und den Watzmannkindern – im Berchtesgadener Land gehört für mich zu den schönsten Bergmassiven der Alpen. Das markante und sagenumwobene Massiv thront über dem Tal und strahlt eine fast mystische Kraft aus. Trotzdem: Bisher kenne ich den „Schicksalsberg“ nur von Fotos. Urlaub in Deutschland – ja, das ist etwas für ein langes Wochenende, aber eine ganze Woche? Wird das nicht langweilig? Corona zwingt uns im Frühsommer, unsere Italien-Pläne über den Haufen zu werfen. Weg wollen wir trotzdem, aber„Corona-konform“ und sicher – also auf jeden Fall draußen. Endlich Zeit für Camping in Berchtesgaden, nutzen wir die Gelegenheit der eingeschränkten Möglichkeiten!Wir starten an einem Freitagnachmittag direkt nach der Arbeit, denn die Wettervorhersage prognostiziert einen sonnigen Samstag. Den wollen wir für eine erste Bergtour nutzen. Campingplätze und andere erlaubte oder geduldete Übernachtungsmöglichkeiten haben wir recherchiert. Gebucht ist nichts – wird schon. In den kommenden Tagen pendeln wir nun also mit unserem Camper zwischen der Gastfreundschaft eines etwas höher gelegenen Alpengasthofs, auf dessen Gelände wir gegen eine kleine Gebühr übernachten können, zwischen einem bei Campern beliebten Parkplatz vor den Toren des Nationalparks und dem Luxus eines Campingplatzes mit Wlan und warmen Duschen – ganz in der Nähe des Königssees.

Der erste reale Blick auf den Watzmann treibt mir fast die Tränen in die Augen, so majestätisch steht er da. Anziehend und mahnend zugleich. Wer sich ihm nähert, sollte wissen, was er tut, bevor er sich aufmacht, seinen Grat zu überschreiten oder sich gar an seine legendäre Ostwand zu wagen. Den „Schicksalsberg“ immer im Blick wandern und klettern wir auf einen Berg in der Nähe. Der Wetterbericht hat Wort gehalten. Die Sonne scheint. Der Blick streift zwischen Watzmann und dem glitzernden, blauen Königssee tief unter uns hin und her. Urlaub in Deutschland – gar nicht mal so übel. In den kommenden Tagen erleben wir, wie vielseitig die Gegend ist. Von den touristischen Postkarten-Highlights wie dem Königssee, mit seinen höchst Instagram-tauglichen hölzernen Booten, die die Touristen über den See schippern – vorbei an den steil abfallenden Berghängen und der berühmten Kirche St. Bartholomä, bis hin zu anspruchsvollen Bergtouren im Nationalpark. Einer steinigen Welt für sich, die sich nach einem Aufstieg von ein paar Hundert Höhenmetern in all ihrer Schroff- und Schönheit, aber auch Verwundbarkeit vor uns ausbreitet. Ein Einheimischer hat uns eine Tour zur Schärtenspitze empfohlen. „Ist nicht ohne“, hat er gesagt. „Aber, schafft ihr schon.“ Mehr als 1.300 Höhenmeter sind zu bewältigen. Einem „Otto-Normal-Bayern“ entlockt das wahrscheinlich nur ein müdes Achselzucken. Für uns Niedersachsen vom flachen Land ist das – Sportlichkeit hin oder her – schon eine Ansage.

Wir starten früh. Im Nebel. Die Sicht ist gleich Null. Es geht stetig bergauf durch den Wald. In den Tannen glitzern die Spinnennetze, in denen sich der feine Nieselregen verfangen hat. Hat auch was. Wir erreichen die Blaueishütte – eine Schutzhütte und Übernachtungsmöglichkeit für Bergsteiger, Kletterer und Touristen. Wir wärmen uns auf, belauschen Bergsteiger, die einen Tour auf den benachbarten Hochkalter planen, und warten auf Wetterbesserung. Weiße Wolkenfetzen kriechen über die Felsen und geben nur hin und wieder den Blick ins Tal – und viel wichtiger: auf die umliegenden Gipfel frei. Sollen wir umkehren? Noch ein Stück Kuchen, dann entscheiden. Und tatsächlich: Es lockert etwas auf. Zumindest soviel, dass wir sehen, wo wir hin wollen. Vor uns liegt das Blaueis. Der nördlichste Gletscher der Alpen. Jahr für Jahr wird er weniger. Der Weg führt über ein paar Schneefelder und Geröll. Nach etwas Kraxelei erreichen wir das Ziel: die Schärtenspitze. 2.153 Meter hoch. Mitten in den Wolken. Eintrag ins Gipfelbuch. Dann machen wir uns vorsichtig an den Abstieg, einen Fehltritt dürfen wir uns hier oben nicht erlauben. Je weiter wir nach unten kommen, desto besser wird das Wetter. Wir kommen aus den Wolken raus. Im Tal scheint die Sonne. Vor ein paar Stunden waren wir in einer komplett anderen Welt unterwegs. Zur Belohnung gibt es Nudeln mit Tomatensoße auf unserem Parkplatz – während der Wunsch, sich doch an den Watzmann zu wagen, immer größer wird. Beim nächsten Mal in Berchtesgaden.

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